Die den Tod von Menschen feiern…

Es stimmt, es wimmelt im Netz vor Analysen, Kommentaren und Reportagen. Aber bei mir verfestigt sich der Eindruck: Dieses Land ist verrückt geworden. Und damit meine ich auch die Politik und die Medien. Dass Menschen auf einem öffentlichen Platz in Dresden laut „Absaufen! Absaufen“ schreien, und damit meinen, dass Menschen im Mittelmeer ertrinken sollen, ist schon gruselig. Dass da keinerlei Strafverfolgung stattfindet noch viel grotesker. Oder die Art und Weise, wie sich eine vermeindlich auf dem Boden des Grundrechts befindliche Partei namens CSU der Sprache der Neofaschisten bedient und die Regierung eigenmächtig fast vor die Wand gefahren hat. Auch, dass mir eine vor kurzem bekannte Brasilianerin sich direkt getroffen zeigt, wie viele Menschen hier Ausländer nicht mögen und sie selbst sogar an ihrem Arbeitsplatz Opfer von rassistischen Bemerkungen wird. Auch, dass ein NSU-Prozess zu Ende gehen konnte, ohne, dass auch nur ansatzweise die Rolle des Verfassungsschutzes, der Politik und Behörden aufgearbeitet wurde. Die Akten, die der Herr Bouffier öffnen könnte, bleiben erstmal 120 Jahre unter Verschluss. So sieht also eine lückenlose Aufklärung aus, Frau Merkel. Mehr als 300 rechtsradikale Morde seit 1989 sprechen eine eigene Sprache. Es ist auch auffällig, wie Menschen in Not nicht mehr als Menschen wie du und ich gesehen werden, sondern als reine Nummern, Zahlen, Statistiken. Und die Medien. Die glauben, man müsse über die so genannte Alternative für Deutschland so normal berichten, wie über jede andere gewählte Partei, die im Bundestag oder in Landtagen sitzt. Das aber ist ein fataler Irrglaube. Denn: Auch die NSDAP saß mit so genannten gewählten Volksvertretern im Parlament. Mehr muss man dazu nicht sagen.

Ich habe mittlerweile als Beobachter einige rechte Veranstaltungen besucht. Da laufen keine besorgten Bürger herum. Da wird man als Pressevertreter umlagert und mit Mist konfrontiert. Da wird sich die Realität zurecht gebogen und mit völkischem Gedankengut vermischt. Meine Lieblingsbegegnung: „Wann haben Sie das letzte Mal richtige Nachrichten gelesen?“ Ich: „Heute morgen.““Ja, was denn?“ Ich: „Ja so tagesschau, SZ, Taz.“ „Ach, das ist doch alles Unsinn. Epoch Times (ein Leitmedium der rechten Szene). DIE sollten Sie mal lesen.“ Habe ich. Werde ich nie wieder. In den Artikeln geht es nur darum, Kriminalität von Flüchtlingen überproportoniert dazustellen, alles voll mit Beiträgen zur Migration mit dem Tenor: „So halten wir dieses Gesindel fern“. Dazu live-streams von AfD-Veranstaltungen. Das ist eindeutig. Auch im Angebot der neue Trend:  Das Kriminalisieren von Seenotrettung. Der neue Sport der Rechten. Dabei lässt sich es sich doch einfach mit Logik und vor allem Humanität begründen, warum Seenotrettung eine Pflicht ist. Wer von uns würde gekenterte Menschen im Mittelmeer ertrinken lassen, wenn er es nicht verhindern kann? Es werden also Menschen als Verbrecher dargestellt, die im Grunde die Menschenrechte aufrechterhalten.

Wie weit wir schon sind, zeigt auch der Fall eines ertrunkenen 5-jährigen Jungen aus Syrien. Der Kommentar einer Frau unter der Pressemeldung auf Facebook: „Einer weniger…“ Da fällt mir dann auch nichts mehr zu ein. Höchstens wünsche ich diesen Individuen, die sowas schreiben, mal richtig viel Pech. Aber das allerschlimmste: Die Medien spielen das Spiel der AfD zu einem gro0en Teil ja mit. Fast jede Talkshow ist mit dem Thema vollgestopft, ohne jeden neuen Erkenntnisgewinn. Wo aber bleiben die Themen, die uns wirklich beschäftigen sollten? Bildung, bezahlbares Wohnen, eine Digitalstrategie, die den Namen verdient (von Frau Bär noch nix dazu gehört), die Zeitbombe Pflege, gerechte Löhne, Investitionen in Straßen und Schienen oder eine konsequente Friedenspolitik, oder gar Klimawandel? Auch ich habe hier mehr als 500 Wörter geschrieben und erst wieder am Ende bin ich bei den wirklich brennenden Themen angelangt. So weit ist es gekommen.

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